Quelle: A. Blättner

Otterstadts Sehenswürdigkeiten

Das Remigiushaus

einst katholische Kirche und heute das Gemeindehaus Otterstadts. Links daneben das alte Pfarrhaus und ältestes Schulgebäude Otterstadts

Quelle: U. Stanzl
Quelle: U. Stanzl Alte Kirche und Glockenturm
Die Rückseite des Remigiushaus und der neue Glockenturm, der auf dem Erich-Flory-Platz steht. Der Glockenturm ist eine Spende des VHNO aus dem Jahr 2021

Das Kirchengebäude wurde im Jahre 1750 fertiggestellt. Es diente der damals stark wachsenden katholischen Gemeinde als neues Gotteshaus. Das bisherige „Kirchlein am See“ war zu klein geworden, so dass man am 27.06.1747 den Grundstein für eine größere Pfarrkirche im spätbarocken Stil legte. Trotz der schwierigen Zeiten infolge des 30jährigen Krieges wurde die Kirche nach drei Jahren fertig gestellt und eingeweiht. Bereits fast  150 Jahre später wurde auch diese Kirche für die Otterstadter Gottesdienstbesucher zu klein und 1891 durch ein neues Gotteshaus ersetzt.

Glücklicherweise wurde die alte Kirche jedoch nicht abgerissen, sondern von der Gemeinde erworben und von dieser 1920 an die Raiffeisengenossenschaft verkauft, die sie als Lagerraum nutzte. 57 Jahre später ging die unter Denkmalschutz sSehenswürdigkeit für 150.000 D-Mark wieder in den Besitz der Gemeinde über, die es aufwändig renovierte. Seit 1984 dient das nach dem Schutzheiligen „Remigius“ benannte Gemeindehaus als Veranstaltungsort für Konzerte, Theater, Vorträge, Ausstellungen und weitere kulturelle Events und kann auch von Vereinen und Privatpersonen angemietet werden.

Der Königsplatz

Dorfmittelpunkt

 

Quelle: U. Stanzl
Quelle: V. Kirsch
Am östlichen Ende des Königsplatzes erzählt der Stickelspitzerbrunnen von einer Dorfanekdote

Der Königsplatz bildet mit der katholischer Pfarrkirche am einen und dem Remigiushaus am anderen Ende ein einzigartiges und oft bewundertes Ensemble. Seine Entstehung im Jahre 1875 verdankt der Platz dem Neubau einer Schule (heutiges Rathaus), die mit dem alten Schulgebäude (heutige KiTa Casa Vincentina) durch einen „Turn- und Bummelplatz“ für die Kinder verbunden wurde.

Der von 44 rot- und weißblühenden Kastanien geprägte Platz entwickelte sich schon bald als beliebter Treffpunkt und Austragungsort vieler Feste. Nachdem die Kastanien aus Alters- und Platzgründen Mitte des 20. Jahrhunderts gefällt werden mussten, nahm man Anfang der 1980er-Jahre eine Neugestaltung des Königsplatzes in Angriff, die am 31. Mai 1986 mit der festlichen Einweihung abgeschlossen wurde. Lesen Sie mehr…

12 Kastanienbäume erinnern an frühere Zeiten und ein ganz besonderer Brunnen ziert seither die parkähnliche Anlage: der Stickelspitzerbrunnen des Speyerer Malers und Bildhauers Günther Zeuner. Bronzeplastiken stellen die Geschichte der Stickelspitzer dar, die einem Betrüger aufsaßen, der ihnen einen Eisenbahnanschluss versprach. Die Anzahlung für jenen Bau, die man dem Schwindler leistete, war jedoch verloren, und die Stickel, die man voreilig zum Abstecken der Trasse gespitzt hatte, waren natürlich vollkommen überflüssig.

Entdecken Sie auch den digitalen Ortsführer des VHNO unter https://www.vhno.de/ortsfuehrer-otterstadt.html

Der jüdische Friedhof

Dorfgeschichte

Quelle: U. Stanzl
Quelle: U. Stanzl
Leider haben viele Grabsteine unter den Umwelteinflüssen und geschichtlichen Umbrüchen gelitten

1821 wurde für die israelitischen Gemeinden Otterstadt, Rheingönheim, Neuhofen und Schifferstadt ein ca. 200 qm großer jüdischer Friedhof in Otterstadt angelegt, der 1840 bereits erweitert werden musste. Als auch die Waldseer Juden in Otterstadt beigesetzt werden sollten, wurde er 1869 nochmals vergrößert und umfasst heute ca. 940 qm. Umringt von einer Bruchsteinmauer befinden sich hier noch etwa 200 Grabsteine, die überwiegend hebräisch beschriftet sind.

Die jüdische Gemeinde Otterstadt bestand vom 17. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert machte ihre Zahl etwa 6-7% der Gesamteinwohner aus. Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts die Zahl der jüdischen Einwohner stark zurückgegangen war, wurde die Gemeinde aufgelöst und die hier noch lebenden Juden (1928 waren es in Otterstadt noch 11) der Gemeinde in Neustadt an der Weinstraße zugeteilt. Die letzte Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof in Otterstadt fand in den 1930er Jahren statt.

Der Ottertritschen-
brunnen

Zauberhaft

Quelle: U. Stanzl Ottertritschenbrunnen

Otterdritschen sind die Otterstadter Verwandten der Elwedritschen, jenen vogelähnlichen Fabelwesen, die auf magische Weise aus einer Verschmelzung von Elfen, Kobolden und Federvieh hervorgegangen sind. Jenen Fabeltieren setzte der VHNO e.V. im Jahre 2004 anlässlich seines 25-jährigen Vereinsjubiläums ein sehenswertes Denkmal neben dem Ottermarkt. Das pfälzische Künstlerehepaar Prof. Gernot und Babara Rumpf entwarf den Brunnen, der mit seinen sechs Otterdritschen, einem 160 cm hohen Wasserfall und raffinierten Wasserspielen zum Verweilen einlädt.

Katholische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt

Kirchweihe im Jahre 1891

Quelle: B. Stanzl
Quelle: Ortsarchiv / H.Kuhn Katholische Kirche Otterstadt

Wegen der langen Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer war Mitte des 19. Jahrhunderts die überwiegende Mehrheit der Einwohner Otterstadts katholisch. Die Gottesdienstbesucher fanden, vor allem an Hochfesten, nicht mehr alle Platz in der alten Kirche (dem heutigen Remigiushaus).

Ein neues, größeres Gotteshaus wurde benötigt, das von 1889 bis 1891 errichtet wurde. Im neugotischen Stil aus Backsteinen erbaut, 50 Meter lang und 20 Meter breit, mit einem 50 Meter hohen Turm, einer dreischiffigen Staffelhalle, Hochaltar, zwei Nebenaltären sowie Kanzel ausgestattet, beeindruckt die stattliche Kirche bis heute.

In neuem Glanz erstrahlt die Pfarrkirche seit der Renovierung in den Jahren 2010/2011, wobei auch die ursprüngliche Wandbemalung wieder rekonstruiert wurde.

Die Marienkapelle
(1728)

Ältestes komplett erhaltenes Bauwerk in Otterstadt

Quelle: Herbert Katz

Otterstadt wurde mehrmals zerstört. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts war das Dorf infolge kriegerischer Auseinandersetzungen abgebrannt und auch im Dreißigjährigen Krieg, im Holländischen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg wüteten hier die Flammen. Das älteste, noch heute erhaltene Gebäude des Ortes stammt daher aus dem Jahr 1728: Die Marienkapelle, die sich zwischen dem heutigen Friedhof und der Siedlung Richtung Waldsee befindet. Über dem Eingang befand sich eine Rokoko-Statue des Brückenheiligen Nepomuk, die ihr den Spitznamen „Nepomuk-Kapelle“ einbrachte. 1991 wurde die Kapelle weitgehend originalgetreu restauriert.