Quelle: Gemeindearchiv / VHNO

Handel

Bekanntermaßen hat der Motorisierungsgrad in Deutschland im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stark zugenommen. Deshalb ist es für die meisten einfach und bequem, ein großes Einkaufszentrum am Stadtrand aufzusuchen, wo man ein geballtes, breites Angebot vorfindet.

Doch im Hinblick auf die zunehmende Anzahl älterer Bürger, die nicht mehr mit dem Auto fahren möchten oder können, und auch unter dem Gesichtspunkt der Umweltbelastung durch den Verkehr, ist die Versorgung der Einwohner vor Ort wichtig und wünschenswert.

Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Gewünschte telefonisch oder per Internet zu bestellen und liefern zu lassen. Dies sollte jedoch nur eine zusätzliche Option sein, denn oftmals möchte man die Ware vor dem Kauf sehen und anfassen. Der Lieferservice belastet außerdem die Umwelt durch Verpackung und Transport.

In Otterstadt kann der alltägliche Einkauf in verschiedenen Geschäften erledigt werden. Waren es jedoch Mitte des 20. Jahrhunderts noch viele kleine Gewerbebetriebe und „Tante-Emma-Läden“, so konzentriert es sich im Jahr 2021 auf zwei Supermärkte und wenige Fachgeschäfte.

Ein Blick in die Geschichte…

Quelle: Gemeindearchiv / VHNO / U. Stanzl Kolonialwarenladen Mühleisen und Ottermarkt
Oben: Kolonialwarenhandel Mühleisen um 1920 in der Lindenstraße (heute Volksbankfiliale) Unten: der Ottermarkt in der Lindenstraße gegenüber der Grundschule um 2020

Der Ottermarkt in der Lindenstraße 26. wird oft als Ortsmittelpunkt wahrgenommen und dient als beliebter Kommunikationsort.

Dieser Supermarkt befindet sich im Besitz der Familie Mühleisen und existiert in seiner jetzigen Form seit 1975. Zuvor betrieb Josef Mühleisen in der Kirchenstraße 1 (heute Filiale der Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz eG) ein Lebensmittelgeschäft. Der nur ca. 20 qm große Laden war für viele Schüler der benachbarten Schule ein beliebtes Ziel, denn neben Lebensmitteln gab es bei Josef Mühleisen auch Süßigkeiten sowie Schreibwaren und Schulbücher.

1959 übernahm Paul Mühleisen das Geschäft von seinem Vater und vergrößerte es auf 70 qm. Das Sortiment wurde nach und nach erweitert, viele Waren wurden mit der Zeit nicht mehr lose, sondern verpackt angeboten und dadurch die Selbstbedienung ermöglicht.

Der kleine Laden konnte die zunehmende Nachfrage nicht mehr bewältigen und Paul Mühleisen legte 1974 den Grundstein zum heutigen Ottermarkt, der im Juli 1975 eröffnet wurde. (Quelle: Horst Kuhn, Otterstadt – Meine Heimat, S. 206-207)

Metzgerei Erbach

Vom Brandmetzger zur alteingesessenem Dorfmetzgerei

Quelle: Gemeindearchiv / VHNO Historisches Bild der Metzgerei Erbach
Quelle: H. Peschmann Metzgerei Erbach
Oben: Metzgerei Erbach in der Luitpoldstraße um 1952. Unten im Jahr 2010

Die Metzgerei Erbach schaut auf eine lange Geschichte zurück. Josef Erbach, der Ur-Ur-Großvater des jetzigen Inhabers, war zwar Zimmermann, doch als „Brandmetzger“ half er auch bei Hausschlachtungen aus. Sein Sohn Ludwig erlernte den Metzgerberuf bei Abraham Weil, der in seinem Gemischtwarenladen auch Fleisch- und Wurstwaren verkaufte.

1912 eröffnete Ludwig Erbach seine eigene Metzgerei in der Ringstraße und verlegte diese 1930 in die Luitpoldstraße an ihren jetzigen Standort. 1948 übernahm sein Sohn Emil die Fleischerei und erbaute ein neues Schlachthaus.

Dessen Sohn Friedrich übernahm ab 1978 und baute den Verkaufsladen 1987 um. Als ältestes Fleischerei-Fachgeschäft Otterstadts steht der jetzige Inhaber Tobias Erbach also in einer langen Tradition, die womöglich durch seinen Sohn weitergeführt wird. (Quelle: Horst Kuhn, Otterstadt – Meine Heimat, S. 212)

Quelle: Gemeindearchiv / VHNO / H. Peschmann Handel in Otterstadt
Oben: Kolonialwarengeschäft Benkert in der Schulstraße (Gegründet 1902). Unten Getränkehandel Benkert in der Ringstraße (2021)

Josef Benkert betrieb seit 1902 ein Kolonialwarengeschäft in der Schulstraße 1. 1926 begann er mit der Herstellung von Mineralwasser und Limonade und rüstete seine „Fabrik“ mit modernsten Maschinen zum Mischen, Abfüllen und Spülen aus. Anscheinend traf er den Geschmack der Zeit, denn die große Nachfrage nach seinen Getränken veranlasste ihn, das Geschäft in die Ringstraße 47 zu verlegen und eine größere Abfüllanlage zu erwerben. Als auch diese nicht mehr ausreichte, entschied der mittlerweile geschäftsführende Sohn Karl Benkert Anfang der 1960er Jahre, die Abfüllung in eine externe Firma auszulagern.

1968 erweiterte die Familie Benkert ihr Getränkesortiment und bot seitdem neben Wasser und Limonaden auch diverse Weine, Biere, Spirituosen und Säfte an.

Bis 2019 betrieb Fred Benkert als Inhaber den Getränkeabholmarkt in der Ringstraße, der zwischenzeitlich auch als Postagentur diente. Dann wurde der Getränkehandel an die Getränke Herold e.K. verkauft, die seither für Verkauf und Service verantwortlich ist. (Quelle: Horst Kuhn, Otterstadt – Meine Heimat, S. 226)

Die Ortsgemeinde Otterstadt ist Teil der Verbandsgemeinde Rheinauen. Erfahren Sie weiterführende und aktuelle Informationen unter https://www.vg-rheinauen.de/vg_rheinauen/